Gießener Anzeiger, 23.08.2008


Klimafreundlich und noch dazu günstig in der Unterhaltung

Diplom-Ingenieur Christian Schulz erläutert Bischof aus dem indischen Amritsar die Funktionsweise der Pflanzenkläranlage an der Kinzenbacher Mühle

Wie eine Pflanzenkläranlage funktioniert und wie sie installiert wird, erläuterte Christian Schulz an der Kinzenbacher Mühle. Bild: HuberKINZENBACH (vk). Der indische Bischof Pradeep Kumar Saman Havoy, der in der Propstei Oberhessen zu Gast war, nutzte seinen Besuch, um gemeinsam mit mehreren Experten die Pflanzenkläranlage an der Kinzenbacher Mühle anzusehen, die gewissermaßen als Pilotanlage dienen kann und auch in Amritsar in Nord-Indien, für das der Bischof zuständig ist, installiert werden könnte.

Seit 1995 in Betrieb

Das sinkende Grundwasser ist eines der Probleme in Indien. Nur reiche Menschen können sich eine Pumpe installieren lassen. Wie solche Pflanzenkläranlagen, speziell im asiatischen Raum, installiert werden, erläuterte Diplom-Ingenieur Christian Schulz aus Gambach. Mit dabei war auch Helmut Wagner, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses Amritsar. Eine Anlage kann 3000 bis 4000 Menschen versorgen, ist klimafreundlich und das Wasser kann mehrfach verwendet werden. Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit gehört zum Entwicklungshilfeministerium, das Projekte wie "Hilfe zur Selbsthilfe" unterstützt.
Das Reinigungsprinzip stammt aus der Natur: Nach einer mechanischen Vorreinigung in einem Absetzbecken fließt das Abwasser in einen Bodenfilter und durchströmt diesen in horizontaler und vertikaler Richtung. Die Oberflächen der einzelnen, sorgsam ausgewählten Körnungen des Filters dienen den durch das Abwasser hereingetragenen Mikroorganismen als Siedlungsfläche. Im weiteren Betrieb ernähren sich die sesshaft gewordenen Kleinstlebewesen von den fortan hereinkommenden Schmutzstoffen. Ein aufeinander abgestimmtes Sortiment von Wasserpflanzen verhindert durch die Ausbreitung ihres Wurzelsystems langfristig eine Verstopfung des Bodenkörpers und sorgt so für die Langlebigkeit der Anlage. Das nach Verlassen der Anlage mechanisch-biologisch hochwertig gereinigte Abwasser kann problemlos in einen naheliegenden Wasserlauf oder in den Untergrund eingeleitet werden.
Ein langjähriger, erfolgreicher Betrieb einer Pflanzenkläranlage mit äußerst geringem Betreuungswand verursacht zudem niedrige Kosten, versicherte Schulz. Die Pflanzenkläranlage an der Kinzenbacher Mühle wurde 1995 gebaut.


____________________________________________________


siehe dazu weiterführenden Link:

Indian Delegation examines constructed wetland in Kinzenbach, Germany
(2006)