Wiesbadener Tagblatt, 15.08.2008

Blühstreifen und Biokläranlage

"Eichenhof" nimmt am Modellprojekt "Partnerbetrieb Naturschutz" teil / Land zahlt 225000 Euro
Von Carsten Becker


MAINZ/WÖRRSTADT Um die Artenvielfalt zu erhöhen, will das Modellprojekt "Partnerbetrieb Naturschutz" Umweltschutz in die Landwirtschaft integrieren. Seit Projektstart 2007 nehmen landesweit 18 landwirtschaftliche Betriebe an dem dreijährigen Projekt von Umweltministerium und Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (DLR) teil, darunter der Eichenhof in Wörrstadt-Rommersheim.

Ökologische Aspekte spielen im Hof der Familie Kussel seit 30 Jahren eine Rolle, sagt Inhaber Klaus Kussel bei einem Rundgang mit Umweltministerin Margit Conrad (SPD), die sich zur Halbzeit des Projekts vor Ort informierte. Neben 150 Hektar Ackerbau gehören zum Betrieb Schweinemast und ein Hofladen mit eigener Metzgerei. Kussel baut Zuckerrüben, Wintergerste und -weizen sowie Sommergerste an. Seit 1989 bewirtschaftet Kussel seine Ackerflächen nach den Landes-Richtlinien für umweltschonenden Landbau.

Aus Naturschutzgründen legte der Landwirt artenreiche Blüh- und Getreideschutz-Streifen an den Feldrändern an. Letztere sollen dem Feldhamster Nahrung bieten. Eine mit Schilf bepflanzte Biokläranlage reinigt die Abwässer aus Hof und Schlachtraum, die dann in ein Biotop fließen. Zudem betreibt Familie Kussel umweltschonenden Ackerbau, und verbraucht durch spezielle Landmaschinen weniger Dünger und Diesel. "Wir sparen im Schnitt 50 Prozent Sprit und damit CO2", erklärt Sohn Christian Kussel.

Im Betrieb existiert zudem eine alte unbewirtschaftete Streuobstwiese, eine Stilllegungsfläche sowie seit 2001 ein Kräuterlehrpfad. Der Überlauf der Pflanzenkläranlage hat sich zu einem für diesen niederschlagsarmen Raum außergewöhnlichen Lebensraum entwickelt, der bereits heute von Amphibien (Erdkröten) und wassergebundenen Insektenarten (Libellen, Wasserkäfer) aufgesucht wird. "Es gehört schon eine Portion Idealismus dazu", sich ökologisch zu engagieren, sagt Bauer Kussel, es helfe aber auch dem Image des Hofladens. Durch das vom Land mit 225000 Euro finanzierte Projekt würden Naturbelange "von der ganzen Fläche" aus betrachtet und nicht auf Nischen der Schutzgebiete reduziert, sagte Conrad. Sie kündigte an, dass sich bei Projektende 2009 ein "praxisnahes Projekt" anschließen werde. Klaus Kussel: "Wir werden jedenfalls wieder dabei sein."

Link zum Eichenhof
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