Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2008


Auch das Maskottchen in neuern Glanz

Das Hirzenhainer Waldschwimmbad ist zu einem Naturbad umgestaltet worden. Ein Förderverein hat tatkräftig geholfen.

jjo. HIRZENHAIN. Das wegen seiner idyllischen Lage am Rand von Fichten- und Laubwaldschonungen gelegene Hirzenhainer Waldschwimmbad wird am Samstag unter einer neuen Bezeichnung wieder eröffnet. Nachdem die politischen Gremien dem Vorhaben ihre Zustimmung gegeben hatten, ist das etwa fünfzig Jahre alte konventionelle Freibad seit dem Spätsommer 2006 mit tatkräftiger
Wasserlandschaft: Das neu hergerichtete Naturbad von Hirzenhain. Foto: Dieter Rüchel Unterstützung eines Fördervereins zu einem "Naturerlebnisbad" umgestaltet worden.
In dem modernen Naturbad wird auf die chemische Wasseraufbereitung mit Chlor verzichtet. Stattdessen sollen Wasserpflanzen und Mikroorganismen auf natürliche Weise für ein sauberes Badevergnügen sorgen. Gespeist wird das Bad von frischem Quellwasser, das sich in einer neu angelegten Flachwasserzone durch die Einstrahlung der Sonne erwärmt. Eine zusätzliche Heizanlage ist überflüssig. Das spart viel Energie und hält die Betriebskosten niedrig.
Das früher rechteckige Becken präsentiert sich heute als 1100 Quadratmeter große Wasserfläche, um die geschwungene Uferzonen angelegt und bepflanzt wurden. Ausgedehnte Holzplattformen aus heimischem Lärchenholz bilden einen ansprechenden Übergang zu den Liegewiesen. Die besondere Attraktion für Kinder ist ein Wasserbob - eine Art von Wasserrutsche. Gespeist wird die Bobbahn mit dem Wasser aus der Pflanzenkläranlage. Eine weitere Attraktion ist eine Sprunganlage aus Natursteinen, die aus einer Höhe von einem und drei Metern zum Sprung ins kühle Nass einlädt. Kleinkinder können in einem separaten Becken planschen. Aus der zentralen Wasserfläche wird an mehreren Überläufen Wasser abgezweigt und über einen Laubfang und einen Wasserfall in einen tiefer liegenden Teich geleitet. An dessen Rand ist auch "Peter" aufgestellt worden - seit einigen Jahrzehnten das Maskottchen des Waldschwimmbades -, der mit einem Rettungsring um den Hals vor allem über die jüngsten Besucher des Bades wacht. Auch der bronzene Seehund ist in der vergangenen Wochen in der Werkstatt der in Hirzenhain ansässigen Firma Buderus wieder neu herausgeputzt worden.
Um auch Fahrradfahrer, Inlineskater und Wanderer, die auf dem benachbarten Vulkanradweg unterwegs sind, auf das Schwimmbadgelände zu locken, bieten ein Kiosk und ein Biergarten Erfrischungsgetränke und einen Imbiss an.
Der ökologische Umbau des Waldschwimmbades kostete nach Angaben von Bürgermeisterin Elfriede Pfannkuche (SPD) rund 800000 Euro. Das sei etwa halb so viel gewesen, wie eine konventionelle Sanierung des Bades gekostet hätte. Die Gemeinde Hirzenhain und das Land Hessen haben das Projekt mit einer halben Million Euro gefördert.
Um den Fehlbetrag auszugleichen, boten die Mitglieder eines Ende 2005 gegründeten Fördervereins der Gemeinde freiwillig ihre Hilfe an. Am Abriss der alten Gebäude, dem Bepflanzen der Außenanlagen oder beim Anlegen der Wege beteiligten sich in den vergangenen Monaten rund 60 Helfer, die bei knapp 90 Arbeitseinsätzen rund 2800 Arbeitsstunden auf dem Areal leisteten. Für die Gemeinschaftsaktion wurde die Gemeinde Hirzenhain vor einer Woche, wie berichtet, vom Hessischen Städte- und Gemeindebund und dem Bund der Steuerzahler Hessen mit dem "Spar-Euro" für besonderes bürgerschaftliches Engagement und besonders sparsames Wirtschaften ausgezeichnet.

Das Naturerlebnisbad in Hirzenhain ist von diesem Samstag an von 10 Uhr bis 19 Uhr (bei schönem Wetter bis 20 Uhr) geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, Kinder zahlen einen Euro weniger.


Ausgezeichnete Bürgerschaft

von Jens Joachim

Als vor drei Jahren die Hirzenhainer Bürgermeisterin Elfriede Pfannkuche den Bürgern der mit knapp 2900 Einwohnern kleinsten Kommune des Wetteraukreises die Kunde übermittelte, dass das marode und unrentable Waldschwimmbad geschlossen werden müsse, war die Enttäuschung zunächst sehr groß. Eine Bürgerinitiative sammelte fast 1200 Unterschriften, um gegen das Vorhaben zu protestieren und sich für den Erhalt des allseits beliebten und idyllisch am Südhang des Vogelsbergs gelegenen Bades einzusetzen. Der wenig später vorgestellte Plan, das konventionelle Freibad nach ökologischen Kriterien umzubauen, stieß in der Gemeinde in der östlichen Wetterau jedoch nicht nur auf Begeisterung. Von "Größenwahn" und "Naivität" war die Rede. Von solchen Bedenken ließen sich allerdings einige engagierte Bürger, die es nicht beim Protest gegen die Schließung bewenden lassen wollten, nicht beeindrucken. Sie gründeten Ende 2005 einen Förderverein und boten dem Gemeindevorstand an, einen großen Teil der Arbeiten auf dem Schwimmbadgelände in Eigenregie zu erledigen. Die Bürgermeisterin nahm die Bürger beim Wort. Und so krempelten seit dem Spätsommer 2006 regelmäßig rund fünf Dutzend Helfer freiwillig die Ärmel hoch, um bei der Umgestaltung "ihres" Schwimmbades anzupacken.
Ohne den tatkräftigen Einsatz der Bürger hätte die finanzschwache Kommune die Umgestaltung des Bades kaum verwirklichen können. Für die Gemeinschaftsaktion sind die Hirzenhainer nun zu Recht vom Hessischen Städte- und Gemeindebund und dem Bund der Steuerzahler Hessen ausgezeichnet worden. Das vorbildliche bürgerliche Engagement sollte andernorts Schule machen.



siehe dazu weiterführende Links:

beide FAZ-Artikel als pdf-Datei

Schwimmbad Hirzenhain im Bau