Pommelsbrunner Gemeinde-Rundschau August / September 2006

[ Seit 2003 reinigt eine Pflanzenkläranlage die Abwässer von Heuchling in der Gemeinde Pommelsbrunn, siehe dazu die Seite Referenzanlagen. Der Artikel befaßt sich mit den gemachten Betriebserfahrungen. ]


17.07.2006 SPD Ortsverein Pommelsbrunn-Hohenstadt-Eschenbach

Abwasseranlage Heuchling - Bürgergespräch der SPD-Fraktion


Rund ein Euro Abwassergebühr pro Kubikmeter, davon kann man andernorts nur träumen. Die Heuchlinger haben in ihrem Dorf diesen Traum verwirklicht, denn sie besitzen eine eigene Pflanzenkläranlage, zu deren Bau sie entscheidend selbst beigetragen haben. Die SPD-Fraktion unter Jörg Fritsch fragte in einem Bürgergespräch nach, wie gut man denn nun mit der Anlage, die sich für Fritschs Empfinden wunderbar in die Landschaft fügt, klarkommt.

Im höchstgelegenen Wirtshaus des Kreises Heidenheim, im „Stern“ zu Gnannenweiler, war Bürgerversammlung. Die Zahl der Einwohner nahm letztes Jahr von 72 auf 64 ab. Foto: kdkEtwa 60 Einwohner hat das Dorf, das sich bei der Wasserentsorgung nicht abhängig machen wollte. Ein natürliches Gefälle im Gelände kam beim Bau gerade recht; nun braucht man keine Pumpen, ist überhaupt von Strom unabhängig. Bei der Bepflanzung der beiden Becken und der Verlegung der Rohre haben die Einwohner mitgeholfen, auch die Pflege erledigen sie selbst. Alles andere macht Klärwärter Norbert Gussner, der in einer kleinen Hütte neben den Becken an 2-3 Stunden pro Woche seinen Arbeitsplatz hat. Dort füllt er sein Betriebstagebuch für Abwasserteiche aus, erstellt den Jahresbericht an die Gemeinde zur Weiterleitung an das Wasserwirtschaftsamt und hat seine Gerätschaften untergebracht.

Hans Roth und Gussner erklären die Einzelschritte der Reinigung. Das Abwasser läuft vom Dorf in eine Auffanggrube (6-7 cbm Fassungsvermögen), wo sich die Feststoffe absetzen. Wenn diese voll ist, führt der Überlauf in einen Bestücker, der durch Druck in Portionen Wasser freigibt, welches in das erste Pflanzenfeld fließt. Die im Wurzelwerk des Schilfs enthaltenen Bakterien bauen dann alle Schadstoffe ab. Der Schlamm der Grube wird nach drei Monaten abgesaugt und einem Vererdungsbecken zugeführt. Im ersten Pflanzenbecken findet die Hauptklärung statt, im zweiten eine Nachklärung, die für Karstgebiete vorgeschrieben ist. Aus einem Endschacht werden regelmäßig Proben entnommen. Gestattet ist ein pH-Wert von 6,5-7,5, die Heuchlinger Anlage erreicht 7,0. Die Investitionskosten betrugen 434.000 Euro bei knapp 60% staatlichen Zuwendungen.


Was den Abwasserpreis anlangt, ist man zuversichtlich, diesen noch etwas drücken zu können, zu Gunsten von Rücklagen. Selbst wenn es bei einem Euro bleibt, ist Heuchling dennoch gut weggekommen, freuen sich Gussner und Roth. Die Pommelsbrunner zahlen beispielsweise schon 1.75 Euro/cbm. Fritsch, der das „tolle Gemeinschaftsprojekt“ lobt, unterzieht sich am Ende einer Geruchsprobe aus dem Endschacht. „Einwandfrei“, so sein Urteil über das leicht gelbliche Wasser.

Helga Manderscheid



www.pflanzenklaeranlagen.de